Gemeindenahes und familienorientiertes Rehabilitationsprogramm für behinderte Kinder
Situation vor Ort
Nach Statistiken der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leben in den über 80 Slums Nairobis, der kenianischen Hauptstadt, mehr als 120.000 Menschen mit Behinderungen, davon über die Hälfte Kinder und Jugendliche. Die Slumsiedlung Mukuru liegt im Süden Nairobis, am Rande eines Industriegebiets. Die meisten Menschen hier leben von Gelegenheitsarbeiten, dem Verkauf von Gemüse, aber auch von Prostitution und dem illegalen Brauen von Bier. Sie leben gedrängt in Hütten aus Wellblech, durchschnittlich 5 Personen in einem Raum. Keine ideale Umgebung für Kinder, die aufgrund einer Behinderung besondere Aufmerksamkeit und Lebensbedingungen brauchen. Oft ist die große Armut mitverantwortlich für die relativ hohe Zahl von Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen, so z.B. durch Fehlbildungen aufgrund von unzureichender Ernährung der Mutter während der Schwangerschaft und extrem unhygienischen Lebensbedingungen. Zu den am häufigsten auftretenden Behinderungen gehören Epilepsie, Entwicklungsverzögerungen, offener Rücken, Autismus, Blindheit oder spastische Lähmungen.
Leben mit Behinderungen – In Afrika ist dies ein besonders schwieriges Leben. Es gibt kaum Behandlungsmöglichkeiten oder Therapieeinrichtungen, die sich die betroffenen Familien leisten können. Hinzu kommt die soziale Isolation, unter der Familien mit behinderten Kindern zu leiden haben. Die Kinder werden eher versteckt, statt entsprechend ihrer Fähigkeiten gefördert. Schulbesuch und Ausbildungsmöglichkeiten stehen ihnen noch viel weniger offen als Kindern ohne Behinderungen in Kenia.
Der Partner
Der Kindernothilfe-Partner Association for the Physically Disabled of Kenya (APDK) arbeitet bereits seit vielen Jahren in mehreren Regionen Kenias im Bereich der Behindertenarbeit unter dem Motto: „Wir geben ihnen eine Zukunft!“ Hinter diesem Motto steht neben der Überwindung von sozialen Vorurteilen und Stigmata das Anliegen, Menschen mit Behinderungen im Rahmen ihrer Möglichkeiten ein selbständiges Leben zu ermöglichen.
Das Programm
Im Mittelpunkt des familienorientierten und gemeindenahen Therapieprogramms des Partners in Nairobi, das von Kindernothilfe unterstützt wird, stehen körper- und geistigbehinderte Kinder und ihre Familien. Die meisten Familien können es sich nicht leisten, ihre Kinder regelmäßig in weitentfernte Therapieeinrichtungen in der Innenstadt von Nairobi zu bringen. So wurde von APDK ein Therapie- und Rehabilitationsprogramm entwickelt, das den Familien zuhause hilft.
Ein erster Schritt ist die Erfassung aller Menschen mit Behinderungen im Viertel von Mukuru. Dies geschieht durch Hausbesuche und der Diagnose der Behinderung. Je nach Möglichkeit und Behinderung werden die Patienten an entsprechende Organisationen vor Ort verwiesen. Körperbehinderte, denen durch chirurgische Eingriffe geholfen werden könnte, werden an entsprechende Kliniken vermittelt.
Die Familien mit behinderten Kindern werden von den Sozialarbeitern besucht und angeleitet, selbst die Übungen zur Krankengymnastik mit ihren Kindern zu machen. Die Betreuer besuchen die Patienten wöchentlich, um Fortschritte zu erkennen und in Problemfällen auszuhelfen. Darüber hinaus werden die Familien beraten, um die häusliche Umgebung behinderten- und therapiegerecht zu gestalten. Im Laufe der Zeit werden die Besuchsabstände größer, damit die Familien lernen, die Verantwortung für ihre Kindern selbst zu übernehmen.
Die Sozialarbeiter leisten auch in der Nachbarschaft durch ihre regelmäßigen Besuche viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit. Das ist auch bei den Lehrern in den lokalen Schulen notwendig, denn die Kinder sollen, soweit es möglich ist, in den normalen Schulunterricht integriert werden, was bisher von vielen Schulen abgelehnt wurde.
Eine wichtige Basis für die gemeindenahe Rehabilitation sind die Selbsthilfegruppen der Familien. Hier können die Familien zusammenkommen, über Probleme reden und gemeinsam Lösungen finden. Auch hier wird der sozialen Isolation begegnet. Neben der Therapiebegleitung sollen die Eltern der behinderten Kinder in die Lage versetzt werden, selbst für das Familieneinkommen sorgen zu können. Über die Gruppen werden den Eltern Kleinstkredite ermöglicht, mit denen sie Einkommen schaffende Maßnahmen anfangen können. Dazu gehört auch ein entsprechendes Training der Eltern.
Stand Juni 2008




